Demenzrisiko senken: Kognitive Übungen als wirksamer Schutz
Neue Langzeitstudie: Bestimmte kognitive Übungen senken messbar das Demenzrisiko. Das Speed-Training zahlt sich aus. Jetzt informieren, wie das Risiko reduziert werden kann.
- Demenzrisiko senken durch kognitives Speed-Training
- Langzeitstudie belegt Wirksamkeit kognitiver Übungen
- Regelmäßige Wiederholung und Booster-Effekt
- Wissenschaftliche Kontroverse und Praxisempfehlungen
- Checkliste, Zielgruppen, praktische Tipps
Demenzrisiko senken durch kognitives Speed-Training
Neue Studie rückt Gehirntraining ins Rampenlicht
TL;DR: Erstmals belegt eine Langzeitstudie, dass spezielles kognitives Geschwindigkeitstraining über Jahrzehnte das Risiko für Demenz deutlich senkt – vorausgesetzt, Übungen werden regelmäßig wiederholt. Die Forschung betont die Bedeutung von Auffrischungen für die nachhaltige Prävention.

Langzeitstudie belegt Wirksamkeit kognitiver Übungen
Ergebnisse aus zwei Jahrzehnten Forschung
Kognitive Trainings als Prävention gegen Demenz standen jahrelang in Zweifel. Die erste große prospektive Studie mit 2.832 älteren Erwachsenen bringt eine Wende. Sie zeigt: Trainieren Ältere regelmäßig mit gezieltem Geschwindigkeitstraining am Computer, sinkt ihr Demenzrisiko im direkten Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich. Basis war das Trainingsprogramm „Double Decision“, entwickelt für konzentriertes Erfassen und Merken von Verkehrsszenen.
Stimmen aus der Wissenschaft
„Die Größe des Effekts ist wirklich erstaunlich“ — Marilyn Albert, Johns Hopkins University School of Medicine
„Die Analyse wirkt solide. Eine 20-jährige Nachbeobachtung ist außergewöhnlich.“ — Torkel Klingberg, Karolinska-Institut, zitiert nach New Scientist
„Je länger eine Studie, desto mehr statistische Tests – desto größer die Zufallschance. Ergebnisse sorgfältig interpretieren.“ — Walter Boot, Weill Cornell Medicine College
Der Artikel ersetzt nicht die individuelle ärztliche oder medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen wenden Sie sich bitte an Fachpersonal!
Studien-Setup & Datenlage im Überblick
2832 Menschen ab 65 Jahren wurden zufällig verteilt: Eine Gruppe trainierte Geschwindigkeit mit Computerübungen. Zwei weitere Gruppen übten Gedächtnis und Denkstrategien. Eine Kontrollgruppe erhielt kein spezielles Training. Zunächst absolvierten alle fünf Wochen Training, dann erhielten manche Teilnehmer gezielte „Booster“: weitere Trainingsblöcke nach einem und drei Jahren. Erst nach 20 Jahren zeigte sich: Nur die mit Speed-Training und Auffrischungen profitierten langfristig signifikant.
Struktur und Bedeutung regelmäßiger Wiederholungen
Das Training wirkte nur dann nachhaltig, wenn die Übungen nach ein bis drei Jahren regelmäßig wiederholt („geboostet“) wurden. Die Ergebnisse: Signifikant weniger Demenzdiagnosen nach US-Medicare-Daten. Experten nehmen an, dass vor allem die Aktivierung des „impliziten Lernens“ entscheidend ist. Die neurologische Fachcommunity spricht von dringend weiter zu untersuchenden Schutzfaktoren.
Regelmäßige Wiederholung und Booster-Effekt
Implizites Lernen: Warum Wiederholung entscheidend ist
Die Studie bestätigt: Automatisierte Lernvorgänge, die oft unbewusst ablaufen, sichern langlebige Veränderungen in den Hirnvernetzungen. Genau diese Prozesse werden im Speed-Training besonders angesprochen. Wissenschaftler vermuten, dass mit gezielten Wiederholungen die sogenannte „kognitive Reserve“ gestärkt wird. Diese Pufferfunktion hilft dem Gehirn, auch bei Abbauprozessen länger funktionsfähig zu bleiben.
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Adaptives Training: Jeder Schwierigkeitsgrad individuell
Das untersuchte Computerprogramm passt den Schwierigkeitsgrad dynamisch an den jeweiligen Lernfortschritt an. Damit bleibt die kognitive Herausforderung stets erhalten. Stetig steigende Anforderungen trainieren Fokus, Aufmerksamkeit und Reaktionsbereitschaft – Fähigkeiten, die Studien zufolge zentral für erfolgreichen Demenzschutz sind.
Wissenschaftliche Kontroverse und Praxisempfehlungen
Kritik und Differenzierung der Studienergebnisse
Wissenschaftler wie Walter Boot mahnen, der Placebo-Effekt und die Zufallswahrscheinlichkeit müsse in Langzeitstudien immer kritisch geprüft werden. Gleichzeitig bestätigen unabhängige Experten wie Marilyn Albert die methodische Zuverlässigkeit und Transparenz der neuen Studie. Die Messung wurde objektiv anhand von Medicare-Patientenakten über 20 Jahre durchgeführt – ein außergewöhnlich langer Zeitraum im Vergleich zu anderen Forschungsprojekten.
Warum nicht jedes Training gleich schützt
Nicht jedes Gehirntraining wirkt präventiv. Die Studie zeigt: Gedächtnistrainings und reine Denkstrategien hatten keinen nachweisbaren Effekt. Nur die adaptive Geschwindigkeitsschulung mit regelmäßigen Boostern war langfristig erfolgreich. Der neurologische Grund: Gängige Übungen adressieren oft das deklarative Lernen. Das Speed-Training hingegen aktiviert neuronale Netzwerke für schnelles, automatisiertes Entscheiden und peripheres Sehen.
Praxisnahe Empfehlungen für den Alltag
Fachleute empfehlen, Gehirn und Reaktionsbereitschaft kontinuierlich herauszufordern. Computerbasierte Trainings wie „Double Decision“, aber auch neue Sportarten, Handarbeiten oder das Erlernen von Musikinstrumenten, können strategisch wirken. Die Abwechslung ist wichtig: Je vielseitiger die kognitive Beanspruchung, desto stabiler die „Reserven“ gegenüber altersbedingten Abbauprozessen.
Checkliste, Zielgruppen, praktische Tipps
Fazit und Zukunftsaussichten
Die aktuelle Studie ist ein wegweisender Schritt – aber kein Freifahrtschein. Sie belegt, dass gezieltes Speed-Training mit Wiederholungen das Demenzrisiko verringern kann. Entscheidend bleibt, den Lebensstil kontinuierlich kognitiv und körperlich anzureichern. Künftige Forschung wird zeigen, wie sich solche Programme noch besser in den Alltag älterer Menschen integrieren lassen.
Vorteile & Nachteile auf einen Blick
Vorteile
- Langfristig messbare Risikoreduktion bei Demenz
- Individuell anpassbar, auch im hohen Alter einsetzbar
Nachteile
- Effekt nur bei regelmäßiger, langfristiger Wiederholung
- Ergebnisse auf spezielle Trainingsform beschränkt
Checkliste für die Praxis
- Mindestens 5 Wochen gezieltes kognitives Training beginnen
- Auffrischungen („Booster“) nach 1–3 Jahren einplanen
- Training möglichst vielseitig und fordernd gestalten
- Kombination mit körperlicher Aktivität anstreben

Weiterführende Informationen und Service
Vertiefende Übersichten zu aktuellen Gehirntraining-Programmen und Praxistests finden Sie bei Stiftung Warentest (test.de). Weitere Hintergrundinfos zu Demenz und Präventionsmöglichkeiten: siehe Wikipedia: Demenz. Für Best-Practice-Tipps stöbern Sie in unserer Themenübersicht oder wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Ihre Ärztin zur individuellen Beratung.
Zielgruppen im Blick
Perspektive für 20–40 Jahre
In jungen Jahren lohnt sich das gezielte Training vor allem präventiv. Wer früh den Umgang mit mentalen Herausforderungen lernt, kann laut Experten möglicherweise die „kognitive Reserve“ früh aufbauen – diese bildet einen Puffer für das Alter. Multitasking-Fähigkeiten und neue Lernreize helfen, Basisstrukturen des Gehirns zu vitalisieren.
Perspektive für 40–60 Jahre
Zwischen Arbeitsleben und Alltagsstress bleibt wenig Zeit fürs Training. Dennoch ist jetzt der optimale Moment für neue Routinen: Regelmäßige kognitive Herausforderungen, Trainingsprogramme und neue Hobbys können entscheidend sein. Gerade Kombinationskurse aus Schnelligkeits- und Gedächtnistraining sind laut Experten zu empfehlen. Studien betonen, dass Veränderungen im Lebensstil ab der Lebensmitte einen spürbaren Einfluss auf das Risiko für Demenz im Alter haben.
Perspektive ab 60
Ab 60 ist es nie zu spät, mit gezieltem Training zu beginnen. Studien zeigen, dass die Plastizität des Gehirns erhalten bleibt – Voraussetzung: Die Übungen sind individuell anpassbar und werden regelmäßig wiederholt. Spezialisierte Programme und speziell geschulte Trainer helfen dabei, den Alltag herausfordernd und abwechslungsreich zu gestalten.
„Wer sein Gehirn regelmäßig fordert, kann den Ausbruch von Demenz verzögern – entscheidend sind Individualität und Wiederholung.“
Stiftung Warentest, Juni 2024
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